Kerzenzeit ist immer … Strafe folgt auf dem Fuße

„Einmal ermahnt … hat’s nicht gebracht, schon sitzt der Kleine auf der Treppenstufe …“

„Erna war kurz zu Besuch bei ihrer Nachbarin, bei der mit dem kleinen Jungen. So ein süßer Fratz, sag ich dir. Und Ausdauer hat der, da staunst du, wie intensiv er mit seinen kleinen Autos spielt. Doch dann, wahrscheinlich weil Besuch da war … also plötzlich fing er an, die Autos vom Sofa runter fahren zu lassen … du weißt schon, was ich meine …“

Chantal hatte kurz bei Erna reingeschaut und kommt mit diesen Neuigkeiten zu Lena.

„Ja und dann? Ist doch nicht schlimm, wenn die Autos von der Sofalehne bis auf den Teppich fahren … durch die Luft sozusagen. Hat dem Kleinen bestimmt Spass gemacht, kann ich mir richtig vorstellen …“

„Der Kleine hatte seine helle Freude daran, steigerte sich zusehend , so wie Erna erzählt, aber die Mutter, das hättest du mal hören sollen!“

„Wieso die Mutter? Warst du auch dabei?“

„Nein, ich komm doch von Erna. So, wie sie es beschrieben hat … es steht mir lebhaft vor Augen, so wie sie es erzählte. Als hätte die Frau keine Nerven. Erst redet sie sachlich, das Sofa geht kaputt, der Teppich, der Fußboden. Der Kleine hat gar keine Zeit zu reagieren … Dann schreit sie förmlich: Hör auf damit. Jetzt schaut der Kleine sie an, ob herausfordernd kann man nicht sagen, schon setzt sie ihn zur Strafe auf die Treppe und donnert ihn an: Hier bleibst du und Ruhe jetzt, bist du wieder artig bist.“ Die Autos bleiben liegen, wo sie sind. Verboten hat sie nichts und weggenommen auch nicht.

„Hat Erna Dir das so erzählt, Chantal? Schrecklich … Der kleine Knirps kann einem leid tun, wenn die Mutter nicht mal das bisschen Krach beim Spielen aushält.“

„Ganz so schlimm war’s nicht … der kleine Mann kennt seine Mutter …“

„Wieso?“

„Hat Erna gesagt. Er weiß genau, wie weit er gehen kann. Nur weil Besuch da ist, nur deshalb habe er Quatsch mit den Autos gemacht. … Mutter und Kind sind bestens aufeinander eingespielt, das glaub‘ man. Die Kleinen kennen sich besser aus, als du denkst. … Das läuft zwar nicht über den Verstand so wie bei den Erwachsenen … es funktioniert irgendwie anders, wie genau, das möchte ich mal wissen …“

„… über die lange Leitung der Muttermilch bestimmt.“

„Über Gefühlswellen?“

„Wie sonst … diese Pipeline funktioniert …“

„Diese Pipeline ist intakt und durchlässig, länger als man denken kann …“

Chantal hält inne.

„Wahrscheinlich im Guten wie im Schlechten … “

“ … aber wegen dem bisschen … die kleinen Autos von der Sofalehne fahren lassen, deswegen den Kleinen zur Strafe auf die Treppe setzen, also ich weiß nicht …“

Lena läuft weiter ihrem Gedanken nach …“

„Durch diese Leitungen blubbern bestimmt auch die Verbindungen von Generationen zu Generationen …“

„Lebendige Gefühle schieben sich durch diese Leitungen. Gefühle sind das A und O des Lebens. Sie können alles auslösen, das Beste und Schönste und das Schrecklichste, die größten Katastrophen. Gefühle altern nicht …“

Chantal wollte gerade etwas erwidern, es lag ihr eine Menge auf der Zunge, doch schade, die Situation hatte keinen Platz mehr für intensive Gespräche.

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