Kerzenzeit ist immer … Sitzplätze gibt es überall, Stühle werden abgezählt

„Die Bestuhlung sagt mehr über alles, als du denkst …“

Lena und Chantal sind dabei, den Raum für eine Veranstaltung zurecht zu machen.

„An Sitzplätzen kannst du Erwartungen ablesen …“, sinniert Chantal.

Sie überlegen im Vorfeld, wieviel Personen sich für die Veranstaltung interessieren könnten.

„An den Sitzplätzen? Du meinst an den Stühlen, an der Anzahl der Stühle meinst du … oder?“

„Die Stühle, ach die Stühle … die Stühle sagen dir, wer das Sagen hat. Du weißt doch, wer immer vorn sitzt, vorn auf den besten Plätzen …“

„Ach so, du meinst die Leute, die es sich leisten können … Es gibt auch Leute, die es nicht ertragen, dass jemand vor ihnen sitzt.“

„Weil sie schlechte Augen und Ohren haben oder warum?“

„Weil sie immer die erste Geige spielen müssen, egal wo sie sind. Es sind immer die gleichen, du weißt schon, achte mal darauf …“

„Ob Sitzplätze damit zu tun haben … ich weiß nicht. Jeder Veranstalter hätte am liebsten Full House. Ich meine, sie möchten, dass ihre Lesung oder was auch immer vom Publikum angenommen wird.“

„… Bei Veranstaltungen, die zum Nachdenken anregen, ist eine Bestuhlung sicher angebracht, damit Gedanken ankommen können. Worte legen einen Weg zurück. Ein Stuhl, auf dem man verweilen kann, tut dem Denken gut. Gedanken haben Nachklang.“

„Nachklang … Wörter und Sätze schwirren im Kopf herum, in der inneren Zwiesprache. Ein Stuhl, auf dem man diesen inneren Monolog aushält, ist nicht schlecht.“

„Und was ist mit der Jugend? Junge Leute … gebrauchen sie auch diesen Platz, diesen Stuhl?“

„Und was ist mit Kindern? Nimm mal die Kirche … kommt nicht immer eine Gruppe zu kurz? Es gibt Erwachsenenstühle dort und Bänke natürlich. Doch wie sitzen Kinder und Jugendliche darauf … Wenn jemand unruhig wird, liegt es vielleicht am Sitzen, an der Höhe, weil sie sich nicht richtig anlehnen können … weil nichts passt …“

„Es kann nicht immer alles passen … alles auf jede Person einstellen, ein Ding der Unmöglichkeit …“

Elisabeth hat mitgehört.

„Und … muss alles für jeden passen? Individualität hat Grenzen …“

Heinrich, der ihr gegenüber sitzt, fügt trocken hinzu:

„Alles Verkaufsschlager. So viel bohei ums Sitzen zu machen, um Stühle … reicht es nicht, wenn alle einen Platz haben?“

„Und … wer gern kommt, interessiert sich nicht für Stühle, es sei denn, das Sitzen bereitet Schwierigkeiten.“

„Wenn die Knochen nicht mehr so mitmachen wollen“, fügt er noch hinzu.

Nach einer Pause meint Chantal zu Lena:

„Wir könnten doch mal ein paar bunte Kissen auf den Stühlen verteilen … mal sehen, was passiert.“

„Du meinst, damit läuft alles in anderen Bahnen, die ganze Veranstaltung …?“

“ könnte sein, weil Stühle … Stühle zum Inventar gehören und das Weiche, die Kissen, die Farben etwas Lebendiges haben …“

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14 Gedanken zu “Kerzenzeit ist immer … Sitzplätze gibt es überall, Stühle werden abgezählt

  1. Welche und wieviel Stühle man aufstellt, kommt darauf an, wen man mit der Veranstaltung ansprechen möchte.
    Bei einer Lesung z.B. möchte ich es mir auf einem bequemen Stuhl gemütlich machen, damit ich den Vortragenden entspannt anschauen kann. Im Kino möchte ich gern auf einem Sessel und nicht zu eng sitzen. Im Restaurant soll der Stuhl nicht eine zu hohe, steife Lehne haben und nicht geräuschvoll über den Boden schrappen. Bei einer Vernissage möchte ich gar nicht sitzen, sondern lieber herumgehen. Bei einem Rokkonzert möchte ich auch nicht sitzen, sondern vor der Bühne hopsen. Bei einen Festival möchte ich mich zwischendurch auf eine Decke niederlassen, auch dabei ist kein Stuhl vonnöten.
    🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Wer für Stühle zuständig ist, hat viel zu überlegen. Die Zielsetzung geht bis ins Detail des Stuhles hinein. Dennoch lässt sich die Individualität nicht erfassen. Bestuhlung ist ein Kompromiss, denke ich.
      Herzlichen Dank für den ausführlichen Kommentar
      Viele Grüsse Inge

      Gefällt 1 Person

      1. absolut, liebe Inge. Manchmal macht auch der Wechsel Spaß, je nach Stimmung, körperlicher Befindlichkeit und Aufgabe. Beim Warten brauchen wir einen anderen Stuhl als bei der Arbeit usw. Liebe Grüße, Annette

        Gefällt 1 Person

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