Kerzenzeit ist immer … es sind die Gewohnheiten, die dir das Bein brechen

„Schon krass, was die da von sich gibt … klar, wie sie dort entlang humpelt. Erzählt von Gewohnheiten, dabei ist sie selbst in der Tretmühle. Glaub‘ doch nicht, dass du sie bewegen kannst, mit ins Kino zu gehen. Alleine schon mal gar nicht. Im großen Trupp, das mag sein, dass sie da mitkommt …“

Gesprächsfetzen, zwischen Tür und Angel aufgegriffen. Lena hat’s mit halbem Ohr mitbekommen und aufgesaugt, als ginge es um Leben und Tod. Überhaupt, in letzter Zeit beschäftigt sie sich mit Themen, die so gar nicht die ihren sind. Lena, so ein junges Ding, was will sie in ihrem Alter mit ernsten Themen … Man ist nur einmal jung. Das Leben genießen soll sie … wer weiß, ob sie später noch tanzen kann, die Zeit läuft so schnell heutzutage …

Elisabeth ahnt, was in Lena vorgehen mag. Vielleicht haben sie Lebensläufe in der Schule durchgenommen und frisch gelernt, dass viele Leute immer noch zu wenig – na ja selbst nachdenken, obgleich – nichts für ungut, sie sehr fleißig sind und auch eine Menge aufzuweisen haben. So wie immer halt, so war’s früher und so ist es heute noch.

Fast hätte Elisabeth diesen Gedanken laut Erinnerungen hinzugefügt: „… nachdenken … denken wie die eine von früher, die mit der großen Klappe. Immer erster Mann an der Tröte sein wollen und was ist rumgekommen dabei? … Hab‘ sie neulich beim Einkaufen von der Ferne gesehen und natürlich gehört bei ihrem Organ … die Klappe scheint dieselbe geblieben zu sein. Groß geändert hat sich anscheinend nicht viel, wenn ich mich nicht verhört habe …“

Doch dann streicht Elisabeth die aufkommenden Gedanken mit einem Wisch fort und wendet sich Lena zu.

Was mag Lena über die Leber gelaufen sein … Wieso interessiert es Lena, dass die alte Frau Lehmann nicht mit ins Kino geht… kann doch ganz egal sein, ob die alte Dame den ganzen Tag vorm Fernseher sitzt oder nicht. Deshalb hat der eine nicht mehr Brot als der andere. Elisabeth vermutet ein interessantes Thema aus der Schule hinter Lenas Anwandlungen.

Ohne Umschweife erzählt Lena, dass sie im Moment von schädlichen Auswirkungen sprechen, die durch Gewohnheiten ausgelöst werden. Rückenprobleme, Augenprobleme, Kniebeschwerden … total viel kommt von zu viel, zu lange, zu still, zu einseitig und von – das findet sie am schlimmsten – von zu wenig Nachdenken, weil oftmals erst dadurch Gewohnheiten überhand nehmen und sich in Fleisch und Blut einbrennen.

„Und, Tante Elisabeth, wenn Frau Lehmann nachdenken würde, ginge sie gern mal ins Kino. Tapetenwechsel, andere Leute sehen, überhaupt diese ganze Kinoatmosphäre … ist bestimmt ganz anders als früher … Sie würde aufblühen, hätte was zu erzählen und ihr Schmuck käme zum Einsatz. …Aber nein, früher ging sie nie allein aus, nur in Begleitung. Allein ins Kino, ein Ding der Unmöglichkeit, sogar bei der Nachmittagsvorstellung. Zu zweit, mit einer Freundin, selbst dabei fühlt sie sich nicht hundertprozentig wohl. Mit einer ganzen Gruppe, das könnte klappen. Das Kino hat sie, wenn überhaupt, nur in ihrer Sturm- und Drangzeit von Innen gesehen und vielleicht, als ihre Kinder klein waren noch ein paar Mal …“

„Wegen eingefleischter Gewohnheiten kommt so vieles für sie nicht in Frage … das muss man sich mal vorstellen …“

„Grenzen wirken bis ins hohe Alter … Grenzen von früher …“

„Bei der alten Frau Lehmann ist aus einem Grenzzaun – wer weiß, woher der kommt – eine unüberwindbare, undurchsichtige Mauer geworden … Dabei klagt sie immer über ihre Beine … “

Tante Elisabeth ist gespannt darauf, wie sehr Lena und ihre Freundinnen das Thema rund um Gewohnheiten durchkauen. Für sie ist eine gute Gewohnheit so etwas wie ein Handwerkszeug. Man eignet es sich an oder bekommt es geschenkt und lernt dann, damit umzugehen …

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8 Gedanken zu “Kerzenzeit ist immer … es sind die Gewohnheiten, die dir das Bein brechen

  1. Vermutlich gibt es recht viele Menschen, die nicht allein ins Kino gehen. Je älter, desto mehr …
    Kino ist wohl eher etwas für jüngere Menschen, mindestens zu zweit, ohne Rückenschmerzen und Gehproblemen.
    Liebe Morgengrüße vom Lu

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  2. Ich denke, je älter man wird desto mehr schränkt man sich selbst ein. Aus Unsicherheit und Angst zu scheitern. Und wenn man gewisse Entwicklungen verpasst, ist der Zug eh abgefahren.

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