Kerzenzeit ist immer … sich selbst überblicken

Wieder mal Erna. Silvester ist vorbei, Neujahr, aufgeräumt hat sie. Nicht, dass ihre Küche nach Kuddelmuddel aussah, das kommt so gut wie nie bei ihr vor, trotzdem hat sie das Bedürfnis, in alle Schubladen zu schauen.

„Mal sehen, ob noch alle Löffel da sind …“ Damit zählt sie laut die kleinen Löffel ab und legt sie sortiert zurück. Könnte ja sein, dass etwas fehlt, denn schließlich ist nicht nur sie in die Jahre gekommen, sondern auch das Besteck.

Die Messer hat sie beizeiten nachschleifen lassen. „Ohne Schärfe geht es nicht …“

„Scharfe Messer … Schneidwerkzeug ohne Schärfe, diese stumpfen Dinger sind gefährlich … “ Sie fühlt die Klingen ab. Spitz, scharf und gut in der Hand liegen müssen sie. Griffig sein. Damit dreht sie ihr Lieblingsmesser bedächtig hin und her. Zu schälen hat sie im Moment nichts. Also zurück in die Schublade mit all den Küchenwerkzeugen. … Ob man für jeden Arbeitsgang ein besonderes Werkzeug benötigt?

Sie beginnt zu zweifeln. Ist sie etwa früheren Verkaufsstrategien gefolgt? Diesen Set-Gedanken, diesen Dreierkombinationen? Kaufen im Set … Großes und Kleines oder dreiteilig. Wie schnell gebraucht man eine kleine, eine große und eine mittlere Schüssel. Dinge im Dutzend oder mindestens im halben Dutzend griffbereit zu haben, verspricht Sicherheit für den Fall der Fälle. „Verkaufsstrategien“, kommt es Erna in den Sinn, „denk im Dutzend, Wirtschaftsdiktate …“

Sie putzt den Gedanken beiseite. Fehler macht man immer. Heute würde sie anders handeln, jedenfalls manchmal, denkt sie, weil die Schubladen doch ein relatives Gewicht tragen. Doch hätte sie wirklich weniger in ihren Küchenschubladen? Vielleicht läge dort nur Anderes, denn Verkaufsstrategien gibt es immer noch und empfänglich bleibt man alle Male …

„Als ob es immer die andern sind … die unbekannten, der Zeitgeist, das, was alle haben, machen und tun …“ Erna kneift für einen Moment die Augen zu.

„Was läge in den Küchenschubladen, wenn das Alte dort ausziehen würde … Löffel mit anderen Formen … nur noch ein Schälmesser oder vielleicht nur ein Dosenöffner?“

Schon beginnen Ernas Gedanken zu wandern. Schubladen … wie schnell sind sie voll und … ist man mit ihrem Inhalt verwachsen? … Es wäre so einfach, sie umzukippen und alles, was sie jetzt hier und heute und letzte Woche nicht in die Hand genommen hat, aus den Augen verschwinden zu lassen … gebraucht man wirklich jedes Gummiband und jeden Rührlöffel in näherer Zukunft… ?

Wenn Egon daneben stünde, wäre die Schublade im Nu nur noch halb so schwer. … Egon ist eben nicht mit dem täglichen Krimskrams verbandelt, jedenfalls nicht so wie sie.

Erna wischt die Schubladenproblematik beiseite und geht einfach raus aus der Küche. Schubladen aussortieren kann man auch ein anderes Mal machen …

„Groß denken … nicht Krimskrams mäßig klein, sonst komm‘ ich heute zu nichts …“

Damit geht sie in die Küche zurück, kippt die Schublade auf einem Tuch aus und trifft ruckzuck ihre Entscheidungen.

Werbeanzeigen

11 Gedanken zu “Kerzenzeit ist immer … sich selbst überblicken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s