Kerzenzeit ist immer … Sag mal, wie bist du auf den Hund gekommen?

Wieso sie ausgerechnet jetzt auf diese Fragerei kommen … keine Ahnung. Lena und Chantal wollen es wissen. Ob sie zur Geschichte des Schosshundes leibhaftige Erfahrungen suchen? Jedenfalls sitzen sie wissbegierig bei Erna und Elisabeth am Küchentisch.

„Ach ja … der Wackeldackel auf der Rückbank im Auto und die bunt behäkelte Klopapierrolle. Ja, das waren Zeiten. Gehäkelt hat das fast jeder … wundert mich im Nachhinein, wie so etwas funktioniert. Es gab viel weniger, was man wissen konnte, so automatisch.“

“Nein, nicht das. Nicht die allgemeine Nachmacherei. Das meinen wir nicht.“

“Ob wir früher einen Hund hatten, lass mich überlegen. Angst hatte ich vorm Hund, richtige Angst. Bei einer Tante musste man ganz nah am Hund vorbei, wenn man zur Toilette ging. Und der Lichtschalter war so hoch, dass man sich als Kind gehörig recken musste. Man muss so dringend, kommt nur auf Zehenspitzen an den Schalter und dann diese Augen von dem Hund.“

“Was hast du gemacht? Hat einer den Hund festgehalten oder ist mitgegangen, wenn du als Kind zur Toilette musstest?“

“Der tut nichts, du kannst ruhig dran vorbeigehen. Na ja, manchmal hat einer das Licht angeknipst. … Der Hund war nicht im Wohnzimmer oder in der Küche. Ein Hund gehört nicht ins Haus, so war die Denke.“

Tante Elisabeth ist in Gedanken versunken. Früher und heute, ein himmelhoher Unterschied.

“Und wie ging’s weiter? … Heute habt ihr schließlich einen Hund.“

“Einen Hund haben wir jetzt auch schon seit ewigen Zeiten. Doch die Sache mit der Angst vorm Hund … mein Gott, was haben sie mich damit aufgezogen. Sobald es jemand spitz gekriegt hatte, versuchte er sein Bestes, mich von dieser Angst zu befreien. Einen festhalten und einen Hund rufen, zum Beispiel. Sich an der Angst ergötzen, kennt ihr das? So Neunmalschlaue gab es und gibt es immer noch wie Sand am Meer. Ich mag gar nicht daran denken.“

“Und? Wie seid ihr zum Hund gekommen?“

Tante Elisabeth ist immer noch in der Vergangenheit.

“Kettenhunde gab es. Überhaupt, so nah war die Beziehung zum Hund nicht. Vonwegen auf’s Sofa springen. Auf den Schoß bei besagter Tante kam ihr Hund sicherlich nur, wenn es keiner sieht. Der Hund bekommt das Futter zugeworfen oder im Hundenapf, vonwegen so serviert wie heute manchmal.“

“Es konnte passieren, dass ein Hund plötzlich vom Grundstück geschossen kam und hinterm Fahrrad her rannte. Boah, was haben wir manchmal Angst ausgestanden. … Gebissen worden bin ich nie.“

„Der eigene Hund, auch verrückt. Man sieht einen winzig kleinen Welpen und hat wohl die Freude der eigenen Kinder irgendwo im Hinterstübchen …“

„Wie? Und deshalb habt ihr schon so lange einen Hund?“

Ob eigene Kinder stark machen, ob Verantwortung stark macht? Tante Elisabeth spricht sie nicht aus, diese Gedanken, die gerade angeflogen kommen.

“Vielleicht muss man erst reinwachsen, ganz langsam. Heute würde ich unseren Hund sehr vermissen, wenn er nicht da wäre.“

Lena und Chantal überlegen anschließend, ob Angst manchmal mit ins Leben gegeben wird. So völlig unbewusst …

Ein Gedanke zu “Kerzenzeit ist immer … Sag mal, wie bist du auf den Hund gekommen?

  1. Oh ja, der Mensch hat von Natur aus Angst…
    Und das ist auch gut und wichtig und richtig so…

    Bei uns zuhause gab es keinen Hund, vielleicht habe ich ja deswegen immer noch vor Hunden Angst…

    Liebe Grüße zur Nacht vom Lu

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